Bei "Engineering meets Art" arbeiten Studierende der BCI mit Studierenden der Musik- und Kunstwissenschaften in Seminaren zusammen. Klingendes Insulin, leuchtende Bakterien, sichtbare Luft oder schwingende Körper ...

 

Ingenieurskunst trifft Musik und Fotografie: Was geschieht, wenn Spezialisten der Strömungsmechanik auf Musiker treffen? Finden Mikrobiolog*innen und Fotograf*innen eine gemeinsame Sprache und verstehen sie einander? Können sie von der „anderen“ Kunst lernen? Welche Einsichten werden gewonnen und verändert die Begegnung die Wahrnehmungen?

Engineering meets Art (Bild: Kirsten Lindner-Schwentick): Dr. Konrad Boettcher und Dr. Maik Hester forschen an einer Orgelpfeife

Im Projekt Engineering meets Art treten Ingenieur*innen (Studierende und Mitarbeiter*innen der Fakultät Bio-und Chemieingenieurwesen) mit Künstler*innen und Kunst-und Musiklehramts-Studierenden in einen direkten kreativen Dialog. Über ein Jahr lang haben sie in interdisziplinären Seminaren miteinander gearbeitet und so neue Einblicke und Zugänge zum jeweils anderen Arbeitsgebiet erhalten. Dabei entstanden interdisziplinäre und interaktive Kunstwerke wie z.B. eine Mikrobenflöte oder Bakterienbilder. Die Kooperationen und Begegnungen ermöglichen eine wechselseitige Bereicherung und vertiefte Kommunikation innerhalb der interdisziplinären Teams.

Weitere Informationen zum fortlaufenden Projekt Engineering meets Art finden Sie auf den Internetseiten der TU Dortmund.

Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit werden vom 08.05.2019 bis zum 23.06.2019 im Rahmen einer Ausstellung im Dortmunder U öffentlich präsentiert.

Hören Sie dazu einen Beitrag von Stefan Keim aus der Sendung Kultur am Mittag im WDR3 vom 15.05.2019:


 

Ausstellung Engineering meets Art im Dortmunder U

07. Mai 2019 bis 23. Juni 2019

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Eröffnung am 07. Mai 2019 durch Kirsten Lindner-Schwentick

Die Eröffnung der Ausstellung Engineering meets Art war ein wahres Fest.
Begrüßt wurden die Gäste der Vernissage durch Prof. Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement der TU Dortmund, und Daniela Berglehn von der innogy Stiftung. Projektleiterin Kirsten Lindner-Schwentick eröffnete, die beiden Dozenten Dr. Maik Hester und Timo Klos führten durch die Ausstellung.
Musikalisch wurde der Abend durch das Ensemble für Neue Kammermusik an der TU Dortmund unter Leitung von Dr. Maik Hester begleitet.
Im Anschluss an die Eröffnung erwartete die Gäste ein Buffet mit kulinarischen Köstlichkeiten.

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Eröffnung am 07. Mai 2019

 

Im Folgenden sehen Sie eine Auswahl an Projekten und Objekten aus der Ausstellung Engineering meets Art.
Sämtliche in der Ausstellung präsentierten Arbeiten sind in einem Katalog dokumeniert, den wir Ihnen auf Anfrage gern aushändigen.
Zusätzlich zum Katalog finden Sie auf dieser Internetseite auch Impressionen von der Ausstellungseröffnung, vor Ort entstandene Detailaufnahmen und Videomaterial zu einigen der ausgestellten Projekte.

Die Unwiederholbarkeit des Moments (im Fluss des zeitlichen Geschehens)

Alexander Gunkel

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Die Unwiederholbarkeit des Moments (im Fluss des zeitlichen Geschehens) - Detailansicht

Manche Veränderung kann niemand mehr rückgängig machen. Manche Momente sind unwiederholbar. Ingenieurinnen und Ingenieure besitzen den geheimnisvollen Begriff der Entropie, dem Alexander Gunkel in seiner Arbeit nachgeht. Er beobachtete zylinderförmige Strukturen, die nach innerer Beanspruchung reißen oder platzen. Warum immer in Längsrichtung, nie in radialer Richtung? Dahinter steckt die Tatsache, dass unter idealen Umständen die Spannung in Radialrichtung nur halb so groß ist wie in Längsrichtung. Somit kommt es mit viel höherer Wahrscheinlichkeit zum Platzen in dieser Richtung. Für die Ingenieurwissenschaften ist diese Tatsache von großer Bedeutung, denn auch Behälter oder Rohrleitungen weisen eine zylindrische Form auf. Unter zu hohem Druck würden sie meist in Längsrichtung aufreißen, wie eine Bockwurst, von der wir das Phänomen kennen. Eine Hochgeschwindigkeitskamera hielt den dramatischen und irreversiblen Moment des Berstens einer Flasche fest. Die Dynamik und Farbe verbinden beide eigentlich getrennten Elemente im Bild zu einer neuen Form mit malerischer Anmutung. Die serielle Anordnung der Fotos verdeutlicht die nur scheinbare Vergleichbarkeit des Moments.

Anlässlich des Galaabends zum 50jährigen Jubiläum der Fakultät BCI an der TU Dortmund wurde die Hochgeschwindigkeitsaufnahme der berstenden Flasche auf der U-Turm Bilderuhr von Adolf Winkelmann gezeigt:

 

Insulin als (2mal-) Neun-Ton-Musikstück

Lisa Mensing und Lars Reckert

DNA ist Code für unser Leben, Noten sind Code für Musik. Die DNA von Insulin als einem der biotechnologisch bedeutendsten Stoffe erklingt in dieser Arbeit. Dafür wurden die ersten 100 Basenpaare von Insulin in Musik übersetzt. Jede Note der Melodie steht für die Position der Base „Thymin“ in je drei Tripletts, die 9 Basen entsprechen. Daher bewegt sich die Melodie innerhalb von 9 Tönen. Der DNA-Code existiert in unseren Körpern jeweils doppelt. Um auch diesen Aspekt abzubilden und um die Neun-Ton-Insulin-Musik anregender zu gestalten, erhielt die Melodie im zweiten Schritt zusätzlich eine Basslinie. Sie beschreibt die Polarität, also die Bindungsfreudigkeit eines Moleküls an Wasser, mit Werten von -4 bis +4. Somit enthält auch die Basslinie wiederum neun verschiedene Töne. Für die Ausstellung wurde die 9-Ton-Musik auf einem Lochstreifen codiert, der eine kleine Drehorgel steuert. Diese darf beim Ausstellungsbesuch von den Besucher*innen selbst bedient werden.

 

Labororgel

Anna Hanrath, Ramon Helwing, Maik Hester, Carla Jasniewicz und Sean Paul Christiansen-Lenger

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Labororgel - Detailansicht

Aus alten Glasapparaten und Orgelpfeifen ist in diesem Projekt eine Labororgel entstanden, die den ausgedienten Laborgegenständen in einem künstlerischen Kontext neues Leben einhaucht. Die Melodie der Labororgel beruht auf Daten einer Molekulardynamik- Simulation, bei der beurteilt werden sollte, wie gut sich kleine Moleküle in die Bindetaschen von Proteinen einfügen. Das Pfeifenwerk der Labororgel kann von den Besucher*innen der Ausstellung durch Betätigen einer Luftpumpe selbst bespielt werden. Andere Elemente, wie zum Beispiel ein Gong-Ensemble aus Glaskolben, ein Regenmacher, der an einem Fahrradreifen seine Runden dreht, oder ein Rührbecher voller kleiner Glaskügelchen sowie ein Kreislauf aus farbiger Flüssigkeit ergänzen das Konzept des Klangobjekts.

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Labororgel - Detailansicht

 

Mikrobenflöte

Carsten Fofara, Lisa Mensing, Katrin Rosenthal und Jenny Schwarz

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Mikrobenflöte

Musik setzt Energie und Emotionen frei: sie lässt uns tanzen, singen, lachen oder weinen. Aber um Musik entstehen zu lassen, bedarf es auch der Energie, die unsere unmittelbare Umgebung so in Schwingung versetzt, dass wir es mit den Ohren hören oder mit dem Körper spüren können. Lässt sich Energie in Zukunft mit Mikroorganismen erzeugen? Dieser Frage geht die Mikrobenflöte im kleinen Maßstab auf den Grund. Glasflaschen mit einer Nährlösung aus Wasser, Zucker, Fett und Hefe bilden kleine Bio-Reaktoren, in denen die Hefekulturen Nährstoffe aufnehmen und Kohlendioxid abgeben. Dieses Gas wird in einem Vorratsbehälter gesammelt, um von Zeit zu Zeit eine kleine Orgel anzutreiben. Als tonerzeugendes Element dient dabei die scharfe Kante der Orgelpfeife, an der sich der Gasstrom periodisch bricht. Welchen Ton die Pfeife von sich gibt, darüber entscheidet die Länge des Resonanzrohrs. Das Objekt ist so konzipiert, dass die Ausstellungsbesucher*innen aus vier klanglich zueinander passenden Orgelpfeifen ihren individuellen Akkord zusammenstellen können.

 

Engineering meets Art (Bild: Nana Seeber): Mikrobenflöte - Detail

 

Sichtbare Klänge 1 - Klingende Energie

Maik Hester

Klänge entstehen dadurch, dass Luft in Schwingung versetzt wird. Dies vollzieht sich aber oftmals an unzugänglichen Orten innerhalb von Musikinstrumenten und auch zu schnell für unser wahrnehmendes Auge. Einen faszinierenden Einblick in das Innere solcher Instrumente erlaubt dieses Video. Tonerzeuger wie schwingende Zungen, Saiten und Membranen wurden mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen. In den nun in Zeitlupe ablaufenden Filmaufnahmen ist zu sehen, ist zu sehen, wie verschiedene Klangkörper Bewegungsenergie auf die sie umgebende Luft übertragen.

 

Sichtbare Klänge 2 - Chladnische Klangfiguren

Maik Hester

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Schwingender Draht und Chladnische Klangfiguren

Schall breitet sich unsichtbar wellenförmig aus. In diesem Projekt jedoch kann man den Schall auch sehen; es gibt das Geheimnis der Wellen preis. „Chladnische Klangfiguren“, benannt nach Ernst Florens Friedrich Chladni, sind Muster, die auf einer mit Sand bestreuten dünnen Platte entstehen, wenn diese in Schwingungen versetzt wird. Infolge von Eigenresonanzen beginnt die Platte mit einer ihrer Moden zu schwingen. Dabei wandert der Sand zu den Stellen, an denen keine oder schwächere Schwingung auftritt. Auf diese Weise werden die Knotenlinien stehender Wellen sichtbar, die sich auf der Platte ausbilden. Die Besucher*innen der Ausstellung können die Schwingungsfrequenzen selbst einstellen und so ver- schiedene Klangfiguren und Muster entstehen lassen. Sie erblicken harmonische Strukturen in geometrischer Ausgewogenheit und von berückender Schönheit.

Engineering meets Art (Bild: Nana Seeber): Chladnische Klangfigur

 

Sichtbare Klänge 3 - Kristalline Klänge

Maik Hester

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Kristalline Klänge hören

Dieses Projekt lässt polymere Kunststoffe erklingen und lehrt darüber hinaus, dass wir auch anders hören können als mit den Ohren. Mithilfe der Röntgenmikroskopie wird die Kristall- struktur von Polymeren grafisch dargestellt. Für das Ausstellungsobjekt wurden verschiedene solcher Grafiken digital ausgewertet: Die Farbwerte der Bilder wurden in Tonfrequenzen umgewandelt. Diese Frequenzen werden mit einem speziellen Lautsprecher wiedergegeben, der sich jeweils unter der Sitzfläche eines Stuhls befindet. Nehmen Besucher*innen auf einem der Stühle Platz und horchen in sich hinein, hören sie über die Knochenleitung ihres Körpers, wie die Kristalle klingen, deren Röntgenfotos auf der den Stühlen gegenüberliegenden Wand zu sehen sind.

 

Schütteln bis Musik erklingt

Arbana Bejtulahi, Büsra Demir, Fiona Gjoni, Sarah Veronika Guttner, Beytullah Mutlu, Muhammed Seber, Ezedin Smudi und Soukaina Tistar

Die Arbeit in Laboren ist zentraler Bestandteil des Bio- und Chemieingenieurwesens. Hier wird im kleinen Maßstab geprobt, wofür später industrielle Fertigungsmethoden gefunden werden sollen. Das Mischen, eine Grundoperation der Verfahrenstechnik, wird im Labor häufig durch Rühr- oder Schüttelgeräte übernommen, die eine sehr gleichmäßige Durchmischung von Materialproben herstellen. Die Projektgruppe hat ein solches Rührgerät genau beobachtet und seine Klänge aufgenommen. Die Musik zu ihrem Film, der auf einem der Monitore präsentiert wird, bilden Klänge, die beim Mischen von Erbsen, Murmeln und anderen Materialien entstanden.

 

Slug 8

Alexander Behr, Mareike Kolkmann und Jonas Korb

Ausstellung Engineering meets Art (Bild: Oliver Schaper): Slug 8

Bio- und Chemieingenieur*innen beschäftigen sich oft mit Produktionsprozessen, deren Kenngrößen – zum Beispiel Druck, Temperatur oder die Zufuhrmenge bestimmter Rohstoffe – gesteuert, geregelt oder optimiert werden müssen. Slug 8 bildet eine Prozessteuerung für ein innovatives Konzept eines Mikroreaktors musikalisch ab; hier kann mithilfe von Musik gesteuert und geregelt werden: Durch ein feines Rohr strömen zwei nicht mischbare Flüssigkeiten, im Ausstellungsobjekt Wasser und Rapsöl. Mit der richtigen Prozesssteuerung bildet sich in dem feinen Rohr ein sogenannter „Slug Flow“ (Pfropfenstrom). Dies ist ein Strömungszustand, in dem die Kapillare abwechselnd von der einen und der anderen Flüssigkeit durchströmt wird. Nur mit einer optimalen Einstellung dieser „Slugs“ (Pfropfen) wird der Betrieb des neuartigen Reaktors, an dem an der Fakultät gerade geforscht wird, in der Industrie funktionieren. An der Steuerung und Regelung des „Slug Flows“ können die Ausstellungsgäste selbst aktiv werden, sie können den „Slug Flow“ verändern und hören die Auswirkungen. Alle von acht unterschiedlichen Sensoren erzeugten Messwerte werden in Töne umgewandelt und lassen je nach Einstellung ein anderes, abwechslungsreiches Musikstück erklingen.

 

TUg Life Rap

Thomas Kalenkiewicz, Philip Timm und Lukas Wienker

Für die Beats dieses Raps wurden echte Laborgeräusche verwendet.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung Engineering meets Art finden Sie zum Beispiel bei der TU Dortmund oder der Innogy-Stiftung.